Leere Blicke und hängende Köpfe statt der erhofften Meisterparty: Die Handballer des HRW Laupheim mussten sich am letzten Verbandsliga-Spieltag mit 32:37(14:16) bei der SG Herbrechtingen-Bolheim geschlagen geben. Auf den Tag genau ein Jahr nach dem Aufstieg in die Verbandsliga verpasste der HRW dadurch den Durchmarsch in die Oberliga denkbar knapp mit einem Punkt.
Schon im Voraus hatte sich ein packendes Fernduell der beiden Verbandsliga-Spitzenreiter Laupheim und Bartenbach angedeutet. Ein Punkt aus dem Herbrechtingen-Spiel hätte dem HRW schon gereicht, um sich die Meisterschaft zu sichern, genauso ein Punktverlust des TSV im Parallelspiel.
Das klare Ziel der Rot-Weißen war jedoch von Anfang an, schnellstmöglich selbst für klare Verhältnisse zu sorgen. So startete der HRW auch in die Partie, besonders Kenan Durakovic und Nikola Potic konnten sich mit jeweils drei Treffern in den ersten zehn Minuten auf Laupheimer Seite auszeichnen und brachten ihr Team mit 6:3 in Front. Doch obwohl das Spiel keinerlei Relevanz mehr für die eigene Tabellenposition hatte, zeigte die SG früh, dass sie sich mit einem Sieg vom heimischen Publikum verabschieden wollte. Trotz zwei verworfener Siebenmeter brachten sich die Gastgeber schnell wieder zurück ins Spiel zum 6:6 (13.).
Der HRW ließ sich davon hingegen nicht irritieren und münzte Ballverluste der Herbrechtinger schnell in eigene Tore um. Der Zwischenstand von 11:7 für die Rot-Weißen ließ schon auf den in dieser Saison gewohnten Spielverlauf schließen und zwang SG-Coach Sebastian Schmid nach rund zwanzig Minuten zu einer Auszeit.
Was dann folgte, waren fatale Minuten für die Laupheimer Meisterschaftsträume. Fehlwürfe, Zeitstrafen, strittige Schiedsrichterentscheidungen und nicht zuletzt viel zu einfache technische Fehler sorgten für die wohl schwächsten neun Minuten des HRW in dieser Saison. Während die Laupheimer keinen einzigen Treffer landen konnten, nutzte die SG diese Phase mit acht Toren am Stück. So wurde aus dem anfänglichen 11:7 schnell ein 11:15 aus HRW-Sicht. In dieser Phase sollte den Laupheimern nichts gelingen – selbst, wenn die Rot-Weißen einmal zum Torwurf kamen, endete dieser oft am Pfosten oder in den Armen des SG-Torhüters.
Erst in der 29. Minute erlöste Tarik Nokic die zahlreichen mitgereisten HRW-Fans mit einem Treffer von ihrem Leiden auf der Tribüne in der heißen Bibrishalle. Sinnbildlich für die ganze Partie war der letzte Angriff der Laupheimer vor der Halbzeitpause: Eigentlich blieb der Mannschaft von Tobias Meiners noch genug Zeit, um ihren Angriff auszuspielen, stattdessen rannte sie sich in der Herbrechtinger Abwehr fest und Sekunde für Sekunde verstrich, ohne dass letztendlich ein gefährlicher Ball seinen Weg in Richtung des SG-Tores fand.
Dennoch war auch nach dem 14:16 zur Halbzeit noch alles drin für die Laupheimer, direkt nach der Pause kam der HRW mit zwei Treffern dann tatsächlich auch zum erneuten Ausgleich.
Daraufhin konnte sich erst einmal keine Mannschaft absetzen, bis der HRW nach vierzig Minuten durch Luca Geiß mit dem 20:19 erstmals wieder in Führung ging. Darauf folgten weitere Treffer von Nokic und Kapitän Timo Remane, sodass das erhoffte Happy End beim Stand von 22:19 plötzlich wieder ganz nahe schien.
Dann jedoch verfiel der HRW wieder einmal in alte Muster. Gegen die offensive Abwehr der Gastgeber passierten leichte Ballverluste, während das Laupheimer Team in der Defensive plötzlich gar keinen Zugriff mehr zu haben schien und große Lücken aufwies. Diese Einladung ließ sich Herbrechtingen-Bolheim nicht entgehen und war nach sechs weiteren torlosen Minuten des HRW schnell wieder mit drei Toren in Front.
Immer mehr war dem Tabellenführer die Nervosität anzumerken und die Angriffe der Laupheimer Mannschaft endeten meist schnell in Ballverlusten, was durch die unklare Linie der Schiedsrichter weiter begünstigt wurde.
Währenddessen hatte sich der TSV Bartenbach schon mit 31:27 in Pfullingen durchgesetzt und sich vorübergehend an die Tabellenspitze gesetzt – der HRW benötigte also mindestens einen Punktgewinn, um doch noch Platz eins zu halten.
Das dies nicht mehr möglich sein würde, drang in den letzten Minuten sichtlich auch ins Bewusstsein der Rot-Weißen, die sich weitere haarsträubende Ballverluste erlaubten und die SG endgültig ziehen ließen. So blieb den Laupheimern nach den sechzig Minuten nichts als die Enttäuschung, dass es aufgrund eines einzigen Punkts nicht zur Meisterschaft gereicht hat. Der TSV Bartenbach hingegen durfte zeitgleich sichtlich überrascht die Meisterschaft feiern, wie der Verein auf den sozialen Medien durchblicken ließ.
Trotz der großen Enttäuschung ist jedoch auch für den HRW der Aufstieg noch nicht vom Tisch: In einem Turnier aller Zweitplatzierten der vier Verbandsligastaffeln werden zwei weitere Oberliga-Aufsteiger ermittelt. Dabei spielen alle Teams im Modus jeder gegen jeden eine Rangliste aus, mit der die beiden besten Teams ermittelt werden. Als Termin steht bereits der 14.05. fest, der Spielort wird in der laufenden Woche bekanntgegeben. Auf die Austragung kann sich jede der vier Mannschaften bewerben – in Laupheim ist nun natürlich die Hoffnung groß, vor der stimmungsvollen heimischen Kulisse ein versöhnliches Ende zu erreichen.
HRW: Bucher, Federle, Krämer – Durakovic (7), Potic (6), Geiß (5), Nokic (5), Remane (3), Leno (2), Masoldt (2), Mirkov (1), Stührmann (1), Reiner, Rodloff, Schmutz, Schöferle